Benjamin Schlegel

 

Blog

Warum der diesjährige US-Wahlkampf anders war

09. November 2016

Die Ausgangslage war eigentlich klar. Die politikerfahrene Hillary Clinton trat gegen den Politneuling Donald Trump an. Und doch kam es anders heraus als viele erwarteten. Eine Analyse zu den US-Präsidentschaftswahlen.

Geld regiert die Welt. Bei den Spenden an die Kandidaten lag Hillary Clinton klar vorne. Ihr wurden 497,8 Millionen Dollar gespendet, Donald Trump hat gerade mal 247,5 Millionen bis zum 19. Oktober erhalten. Auch hat Trump weniger Geld für Werbung ausgegeben als Clinton. So hat beispielsweise Clinton im September 400 Millionen Dollar für Werbung ausgegeben, Trump gerade mal 190 Millionen. Das Geld hat die US-Präsidentschaftswahl nicht entschieden.

Clinton war die zwei unbeliebteste Person in der Geschichte der US-Präsidentschaftswahlen. Gerade einmal 40 Prozent waren der Meinung, dass sie eine gute Präsidentin wäre. 57 Prozent wollten sie nicht als Präsidentin haben. Also eigentlich schon von Beginn an chancenlos – doch sie hatte das Glück gegen den unbeliebtesten Kandidaten anzutreten. Bei Trump waren gerade mal 35 Prozent der Meinung, er wäre ein guter Präsident. 62 Prozent wollten ihn nicht als Präsidenten haben. Eine äusserst ungünstige Position um Präsident zu werden.

Der Wahlkampf bestand dann auch hauptsächlich aus negativen Kampagnen gegen den anderen Kandidaten, damit dessen Unbeliebtheitswert hervorgehoben wurde. Keiner der Kandidaten hat ein Interesse daran, auf sich aufmerksam zu machen und selber in den Schlagzeilen zu sein. Auch diesem Grund versuchte Clinton auch vehement von sich abzulenken, als der FBI Präsident James Comey kurz vor der Wahl erneut mit der E-Mail-Affäre daherkam. Doch auch die E-Mail Affäre vermochte die Umfragewerte vor den Wahlen nicht komplett umzukrempeln. So tendierten die meisten Umfragen zu Clinton – nur weniger setzten auf Trump. Umso erstaunlicher ist nun auch das klare Resultat für Donald Trump. Hier könnte das Problem der sozialen Erwünschtheit gespielt haben. Jedoch hat sich bei den Vorwahlen gezeigt, dass dem nicht so war. Dass es jetzt anders war scheint wenig plausibel. Viel eher geht man davon aus, dass die Umfragen falsch gewichtet wurden, weil Trump viele Nichtwähler mobilisieren konnte, die vorher nie abstimmen gingen. Diese Gruppe wurde bei den meisten Umfragen unterschätzt.

Auch die Wahlkampfmaschinerie hätte für Clinton gesprochen. So haben die Demokraten eine riesige Datenbank und sind von Tür zu Tür gegangen, damit wirklich jeder ihrer Anhänger für Clinton wählen ging. Die Mobilisierungsmassnahmen waren gigantisch.

Doch wie kam es dazu, dass trotzdem Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde und erst noch ziemlich deutlich? Es war die Wut auf das Establishment. Die Mehrheit der Bürger von Amerika wollten eine Veränderung. Clinton gehört zum Establishment. Trump hingegen war kein Politiker, sondern erfolgreicher Geschäftsmann. Er hat ihnen die Hoffnung auf Veränderung angegeben – «Make America Great Again». Viele Wähler – auch ehemalige Nichtwähler – wollten, dass sich etwas ändert. Das hat wohl den Ausschlag für Trump gegeben.

Wahlausgang 9.11.2016 Nachmittag