Effekt von wöchentlichen Mini-Tests auf die Prüfungsleistung

22. Januar 2026

Wie bringt man Studierende dazu, den Stoff kontinuierlich zu lernen – und nicht erst wenige Tage vor der Prüfung? Diese Frage hat mich im vergangenen Jahr intensiv beschäftigt. Gerade in der Statistik ist fortlaufendes Lernen zentral: Wer den Stoff über mehrere Wochen aufschiebt, verliert schnell den Anschluss und hat spätestens in den Aufbaumodulen Schwierigkeiten.

Als Antwort auf dieses Problem habe ich in einer Einführungsvorlesung wöchentliche Mini-Tests im Lernmanagementsystem OLAT eingeführt. Ziel war es, ein Format zu entwickeln, das Studierende zum regelmässigen Lernen motiviert, ohne sie gleichzeitig zu überfordern oder zu demotivieren.

Aufbau der Mini-Tests

Während der 14 Semesterwochen standen den Studierenden jeweils zwei Tests zur Verfügung:

Der Selbsttest diente der Überprüfung der Lernziele und konnte beliebig oft gelöst werden. Die Studierenden konnten sich dabei auch mit Kommiliton:innen austauschen. Inhaltlich waren die Fragen des Selbsttests denjenigen des Mini-Tests sehr ähnlich. Beide Formate bestanden aus vier Fragen mit insgesamt sechs Punkten.

Fühlten sich die Studierenden ausreichend vorbereitet, konnten sie den eigentlichen Mini-Test starten. Dafür standen ihnen 15 Minuten zur Verfügung. Beim ersten Start mussten sie einen Ehrenkodex auf OLAT bestätigen, in dem sie erklärten, die Tests selbständig und ausschliesslich mit den zugelassenen Hilfsmitteln zu bearbeiten. Diese Hilfsmittel entsprachen exakt jenen der finalen Prüfung, sodass die Prüfungsbedingungen bereits während des Semesters eingeübt wurden.

Bewertung und Anreizstruktur

Die einzelnen Mini-Tests wurden nicht benotet, sondern lediglich mit bestanden oder nicht bestanden bewertet. Ein Test galt als bestanden, wenn mindestens 3 von 6 Punkten (50 %) erreicht wurden.

Am Ende des Semesters wurde die Anzahl bestandener Mini-Tests zusammengezählt. Daraus ergab sich eine Note nach folgendem Schema:

Diese Mini-Test-Note floss mit 10 % in die Gesamtnote ein, die finale Prüfung mit 90 %. Ein zentraler Vorteil für die Studierenden bestand darin, dass sie mit einer 6.0 aus den Mini-Tests selbst bei einer Prüfungsnote von 3.5 das Modul noch bestehen konnten. Insgesamt erreichten 83.4 % der Studierenden die Note 6.0 bei den Mini-Tests.

Effekt auf die Prüfungsleistung

Die zentrale Frage war nun: Schneiden Studierende mit diesem Format in der finalen Prüfung tatsächlich besser ab?

Um dies zu untersuchen, habe ich die Prüfungsresultate der Vorlesung Einführung in Methoden und Statistik an der Universität Zürich aus dem Herbstsemester 2025 mit jenen des Herbstsemesters 2024 verglichen. Die Prüfungen waren in Aufbau und Schwierigkeitsgrad sehr ähnlich gestaltet. Ein t-Test zeigt einen statistisch signifikanten Unterschied von 4.99 Punkten (bei maximal 50 Punkten). Dies entspricht rund 0.5 Notenpunkten – Studierende mit wöchentlichen Mini-Tests waren im Durchschnitt fast eine halbe Note besser als der Jahrgang zuvor.

Abbildung 1: Output eines einseitigen t-Tests zum Vergleich der Prüfungsleistungen ohne (HS24) und mit wöchentlichen Mini-Tests (HS25). Der Test zeigt einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Jahrgängen (t = 7.11, p < .001). Der geschätzte Mittelwertsunterschied beträgt 4.99 Punkte (95%-KI: [3.83, Inf]) auf einer Skala von 0 bis 50 Punkten.

Ein vergleichbares Format habe ich zudem in der Vorlesung Introduction to Statistics for the Social Sciences an der Universität Luzern umgesetzt. Dort ist ein direkter Vergleich nicht möglich, da im Vorjahr anstelle einer Prüfung ein Data Essay verlangt wurde. Die Resultate lagen jedoch im selben Bereich wie in Zürich.

Fazit

Diese Analyse erlaubt keine strikte kausale Schlussfolgerung: Die Studierenden wurden nicht zufällig den Jahrgängen zugeteilt, und auch andere Faktoren, wie bspw. eine überarbeitete Kursstruktur auf OLAT, könnten einen Einfluss gehabt haben. Angesichts der Grösse des Effekts erscheint es jedoch plausibel, dass die wöchentlichen Mini-Tests einen substanziellen Beitrag zur besseren Prüfungsleistung leisten.

Aus didaktischer Sicht würde ich dieses Format daher klar weiterempfehlen.